Fukushima und der Golf von Mexiko

Was haben beide Orte miteinander zu tun? Viel, vor allem die Gewissheit, dass die Solidarität keine Grenzen kennt und dass Fair Handel keine Einbahnstrasse ist. Leonardo Duran über menschlichen Beziehungen in Fairen Handel. Von Kleber Cruz

Die Union Tosepan Titataniske (Dachverband von Kleinproduzenten) hat mit vielen Käufer des Fairen Handels zusammengearbeitet, sie hat an viele Unternehmen des FH ihre Produkte verkauft. Dabei ging es meistens um Preise, Verträge und Preisfixing, um alle diese Dinge also, die sehr kalt und kräfteraubend sind. Die aktuellen Kunden der Union sind deshalb so wichtig, weil die Beziehungen zu ihnen weit über das Kommerzielle hinausgehen. Da ist beispielweise die Zusammenarbeit mit der Firma GEPA. Die Beziehung zu dieser Firma hat der Union ermöglicht, den Markt zu verstehen, vor allem die Bedeutung von langfristigen Beziehungen. Das ist für die Union ein Handel mit menschlichem Charakter. Allein die Tatsache, dass Produzenten und Käufer sich treffen und gegenseitig kennenlernen, ist für den Berater der Union ein entscheidender Unterschied.

Die Beziehung zu ihrem Kunden aus Japan hat bei den Mitgliedern von Tosepan Spuren hinterlassen. Bei diesem Käufer handelt es sich um eine kleine Firma des FH. Sie war für den Verband die Eintrittkarte in den FH. Es war das Jahr 2010, die Region um Puebla (Einflußgebiet von Tosepan Titataniske) wurde von der kalten Luftströmung aus dem Golf von Mexiko heimgesucht. Die Kaffeepflanzen der Mitgliedern von Tosepan haben stark darunter gelitten. Ein großer Teil der Kaffeeernte ist vernichtet worden. Viele Kaffeekirschen waren durch die Kälte richtig verbrannt. Die Ernte war schlecht. Leonardo erklärt: “die Japaner verstanden, dass die Bauern kein Einfluss auf solche Ereignisse haben, wir können die Wetterbedingungen nicht beeinflussen”. Sie haben aber auch folgendes verstanden: “Wenn sie Käufer des FH sind, dürften sie nicht nur auf die gute Ernte warten. Der Klimawandel wird von uns allen verursacht, daher wollten sie zu einer Lösung beitragen”. Sie haben neue Präsentationsformen für den Kaffee der Union gesucht und zusammen mit dem Dachverband haben sie einen löslichen und ein entkoffeeinierten Kaffee für den japanischen Markt entwickelt. Dadurch konnte diese schlechte Ernte abgesetzt werden. Zur Zeit ist dieser Segment ein wichtiger Absatzmarkt für den Kaffee von Tosepan. Das ist, wenn man so will, auch eine wirtschaftliche Lösung. Aber es geht darüber hinaus, sie wollten nicht nur den guten Kaffee kaufen. Für sie stellte sich auch die Frage nach dem schlechtem Kaffee, wer soll ihn abnehmen? Die Mitglieder der Union waren sehr überrascht, dass die Japaner so ein Projekt entwickelten, um der Union eine Lösung für den schlechten Kaffee zu ermöglichen. Tor für Japan!! Eins zu null für die Japaner.

Dann kam das Jahr 2011. Der Reaktor in Fukushima ging in die Luft. Das Problem in Japan war extrem ernst. Der Konsum und Absatz von Produkten gingen zurück, besonders betroffen waren Produkte aus dem FH. Parallel stiegen die Kaffeepreise an der Börse in die Höhe. Die Japaner schrieben einen Brief an die Union, sie teilten mit, dass sie angesicht der Umstände nicht in der Lage sind, Kaffee von Tosepan zu kaufen, sie können die höhe Preise nicht zahlen. Sie bedankten sich für die Zusammenarbeit aber sie durchlebten eine schlimme Krise, so dass sie überhaupt keinen Kaffee beziehen konnten. Der Union war klar, dass so eine Entscheidung für eine kleine Firma den Tod bedeuten würde. Es ging nicht nur darum, dass sie keinen Kaffee importieren könnte, sondern die kleine Firma würde vom Markt verschwinden. Und wenn die Firma verschwindet, was passiert mit den japanischen Konsumenten, die Interesse an den Kaffeebauern aus Cuetzalan haben?

Als Leonardo den Brief auf der Generalversammlung von Tosepan Titataniske vorlas, sagten die Bauern unisono: Wenn sie uns letztes Jahr geholfen haben, dann sind wir jetzt dran. Sie bekommen unseren Kaffee, sie sollen bezahlen was sie können. Die Union verkaufte eine kleine Menge zu einem sehr günstigen Preis, um diese kleine Firma zu unterstüzen. Es ist nicht selbstverständlich, dass die Produzenten auf einen Teil ihres Einkommen verzichten. Tor für Mexiko. Eins zu eins.

Der Fair Handel ist doch keine Einbahnstrasse!!

Cuetzalan, 15.10.2014

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